Die Regierung von Sierra Leone hat am 13.05.2026 einen Masernausbruch bestätigt. Zwischen Januar und April 2026 wurden insgesamt 41 Fälle in acht Distrikten registriert. Besonders betroffen ist der Distrikt Western Area Urban mit der Hauptstadt Freetown, wo allein 15 bestätigte Fälle gemeldet wurden. Neun dieser Fälle traten im April 2026 auf, was auf eine deutliche Beschleunigung der Übertragung hindeutet.
Die nationale Positivrate der Tests liegt bei 75 %, was auf eine erhebliche Dunkelziffer und aktive Übertragung in der Bevölkerung schließen lässt. Gesundheitsbehörden gehen davon aus, dass deutlich mehr Infektionen unerkannt geblieben sind.
Erreger: Masernvirus (Measles morbillivirus)
Übertragung: Hochansteckende Tröpfchen- und Aerosolübertragung; infektiös bereits vor Auftreten des Hautausschlags
Inkubationszeit: Meist 10–14 Tage
Symptome: Hohes Fieber, Husten, Schnupfen, Bindehautentzündung, charakteristischer Hautausschlag
Komplikationen: Pneumonie, Enzephalitis, Blindheit; schwere Verläufe insbesondere bei Kindern unter fünf Jahren und mangelernährten Personen
Therapie: Symptomatische Behandlung, Flüssigkeitszufuhr, Vitamin-A-Gabe; kein spezifisches antivirales Medikament verfügbar
Bewertung der Situation
Die hohe Testpositivrate sowie die Ausbreitung auf mehrere Distrikte sprechen für eine fortgeschrittene und wahrscheinlich unterschätzte Übertragungssituation. Besonders in dicht besiedelten urbanen Gebieten wie Freetown bestehen günstige Bedingungen für eine rasche Verbreitung.
Der Ausbruch weist auf bestehende Impflücken hin. In Regionen mit eingeschränktem Zugang zur Gesundheitsversorgung besteht ein erhöhtes Risiko schwerer Krankheitsverläufe und unerkannter Todesfälle. Aufgrund der hohen Ansteckungsfähigkeit des Virus ist bei unzureichender Eindämmung mit einer weiteren geografischen Ausbreitung zu rechnen.
Für Reisende mit vollständigem Impfschutz ist das Risiko gering. Ungeimpfte Personen oder Personen ohne ausreichenden Immunschutz haben dagegen ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko.
Empfehlungen
Reisende: Vollständigen Masernschutz (zwei dokumentierte MMR-Impfungen) vor Reiseantritt sicherstellen; bei Symptomen medizinische Abklärung veranlassen; Kontakte zu Erkrankten vermeiden.
Unternehmen mit Entsendungen: Impfstatus von Mitarbeitenden überprüfen und gegebenenfalls Auffrischungsimpfungen organisieren; Mitarbeitende über Symptome und hohe Übertragbarkeit informieren, insbesondere bei Langzeitensendungen mit Familie und bei Einsätzen in urbanen Gebieten oder im Gesundheitswesen.
Quelle der Meldung
Africa Centres for Disease Control and Prevention / SierraLoaded
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