Zusammenfassung:
Ein Press Briefing des Science Media Center Germany vom 16. Juli 2025 befasste sich mit der Ausbreitung tropischer Krankheiten wie Chikungunya, Zika und Dengue in Deutschland. Anlass war ein autochthoner Chikungunya-Fall nahe der deutschen Grenze im Elsass, was eine Vor-Ort-Infektion durch einen Vektor bedeutet. Dies fällt mit dem Beginn der Mücken- und Reisesaison zusammen.
Dr. Hendrik Wilking vom Robert Koch-Institut (RKI) erklärte, dass lokale Ausbrüche von Chikungunya und Dengue-Fieber sich in Europa, insbesondere im Süden, ausbreiten und durch den Klimawandel auch in Deutschland zunehmen werden. Er betonte, dass auch nicht-reiseassoziierte Fälle in Deutschland zu erwarten sind. Die STIKO-Impfempfehlung für Chikungunya gilt primär für Reisen in Ausbruchsgebiete, wie den Indischen Ozean, kann aber bei lokalen Ausbrüchen auch in Südfrankreich erwogen werden.
Prof. Dr. Peter Kremsner vom Universitätsklinikum Tübingen befürwortet eine großzügigere Impfempfehlung für Tropenreisen und weist darauf hin, dass derzeit nur der Totimpfstoff gegen Chikungunya verimpft wird, da der Lebendimpfstoff wegen Sicherheitssignalen (u.a. Todesfälle bei älteren Personen) genauer untersucht wird.
Dr. Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut erläuterte die Rolle von heimischen und invasiven Mückenarten. Das West-Nil-Virus wird hauptsächlich von heimischen Mücken übertragen, während die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), ein invasiver, wärmeliebender Überträger von Chikungunya und Dengue, sich in Deutschland, besonders entlang des Oberrheins, stark ausgebreitet hat. [cite_start]Sie wird vor allem durch den Fernverkehr aus Südeuropa eingeschleppt.
Die Bekämpfung der Tigermücke konzentriert sich auf Larven, da die Ausbringung von Insektiziden gegen ausgewachsene Mücken nur in Ausbruchsfällen mit Sondergenehmigung erlaubt ist. Kampen kritisiert die aktuelle Rechtslage, die eine Bekämpfung erst bei nachgewiesener Krankheitsübertragung vorschreibt, was präventive Maßnahmen erschwert und teurer macht.. Der Mückenatlas, ein Citizen-Science-Projekt, hilft seit 2012 bei der Kartierung der Mückenarten in Deutschland und belegt die rasante Ausbreitung der Tigermücke.
Asymptomatische Fälle von Dengue-Fieber sind häufig (80-90%), bei Chikungunya sind die meisten Fälle symptomatisch, aber auch hier gibt es unbemerkte Infektionen. Die Diagnostik tropischer Krankheiten ist für Hausärzte ohne Reiseanamnese schwierig, obwohl Labortests verfügbar sind. Das RKI empfiehlt bei autochthonen Fällen umfassende Maßnahmen der Gesundheitsämter, um die Verbreitung zu verhindern und Mückenpopulationen im Umfeld der Infizierten zu bekämpfen.
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